Marktraum

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Der Marktraum: Wiens neues Tor zum Naschmarkt

Marktraum Naschmarkt Wien - Foto: Stadt Wien/Markus Wache
Marktraum Naschmarkt Wien – Foto: Stadt Wien/Markus Wache

Nach jahrelanger Planung und kontroversen Diskussionen hat Wien am 21. November 2025 offiziell das westliche Entrée des Naschmarkts eröffnet. Kernstück dieser Umgestaltung ist der Marktraum. Das ist eine moderne, permanente Markthalle, die das historische Flair des Naschmarkts mit zeitgenössischer Architektur und einem klaren Fokus auf hochwertige, regionale Produkte verbinden soll. Das 850 Quadratmeter große Gebäude markiert den Abschluss des ersten Bauabschnitts der umfassenden Neugestaltung des Areals.

Architektur und Standort im Fokus

Der „Marktraum“ wurde vom Architekturbüro Mostlikely Architecture in Zusammenarbeit mit DnD Landschaftsplanung konzipiert und ist ein architektonischer Hingucker: eine lichtdurchflutete Holzkonstruktion mit großen Glasfronten. Diese Materialwahl soll Transparenz schaffen und sich dennoch in die Umgebung der bestehenden Stände einfügen. Das Gebäude besetzt die Fläche am Ende des Marktes, die zuvor als Parkplatz diente – ein Umstand, der bei vielen Anrainern und Bürgerinitiativen im Vorfeld für scharfe Kritik sorgte.

Ein Highlight der Konstruktion ist die teilweise begrünte Dachterrasse, die öffentlich zugänglich ist und eine neue, konsumfreie Aufenthaltsqualität mit Blick über den Markt und auf den bereits fertiggestellten Naschpark bietet. Im Inneren beherbergt die Halle zudem das sogenannte „Markträumchen“, einen multifunktionalen Bereich für Events, Kochkurse und Verkostungen.

Regionale Vielfalt und Nahversorgung

Das Konzept des „Marktraums“ zielt darauf ab, eine Ergänzung zum bestehenden Naschmarkt-Angebot zu schaffen. In den 13 Spezialitätenständen liegt der Fokus primär auf regionaler Herkunft und Bio-Qualität. Die Auswahl der Standbetreiber ist breit gefächert und umfasst etablierte als auch neue Namen: Neben einem starken Auftritt der Nahversorgung mit Produkten wie Bio-Fleisch aus dem Waldviertel (z.B. Bio-Fleischerei Waldgut), frischen Fischen (z.B. Blün) und verschiedenen Käsesorten, finden sich auch innovative Konzepte. Dazu gehören etwa Spezialisten für gerettete Lebensmittel („Unverschwendet“), ein Kaffeeröster („Röstraum“) und die erstmalige Präsenz einer steirischen Traditionsbäckerei (Sorger) in Wien.

DIE 13 STÄNDE IM MARKTRAUM
Das sind die 13 Standler, die in einem intensiven Auswahlverfahren durch das Marktamt ausgesucht wurden. Hier findest du keine anonyme Massenware. Die Bio-Fleischerei Waldgut bringt beispielsweise Freilandfleisch direkt aus dem Waldviertel in die Stadt, während Blün mit seinem Aquaponik-Konzept zeigt, wie Wiener Wels und frisches Gemüse in einem geschlossenen Kreislauf mitten in der Stadt gedeihen können. Für Fischliebhaber gibt es zudem Mosers Wildfang vom Millstätter See. Käse-Fans haben die Wahl zwischen der traditionsreichen Käsehütte Maria Taferl oder den apulischen Spezialitäten von Fratelli Valentino, die ihren Mozzarella interessanterweise aus Wiener Milch direkt vor Ort herstellen. Auch süße Sünden kommen nicht zu kurz: 28Lots produziert handgeschöpfte Schokolade mitten im zweiten Bezirk. Der Wiener Greißler sowie die Imkerei bieten Spezialitäten an, die man sonst oft nur direkt beim Produzenten findet.

Picknick mit Aussicht: Die grüne Dachterrasse

Das ist die neue Dachterrasse auf dem Marktraum, Foto: Stadt Wien/Markus Wache
Das ist die neue Dachterrasse auf dem Marktraum, Foto: Stadt Wien/Markus Wache

Das absolute Highlight für viele Besucher ist die begrünte Dachterrasse, die barrierefrei zugänglich ist. Sie bietet eine völlig neue Perspektive auf den Naschmarkt und den angrenzenden Naschpark. Es ist ein konsumfreier Raum, was bedeutet, dass du dich dort einfach hinsetzen und die Aussicht genießen kannst, ohne etwas kaufen zu müssen. Besonders am Samstag, wenn direkt daneben der Flohmarkt stattfindet, ist das Dach ein idealer Logenplatz, um das bunte Treiben von oben zu beobachten. Beachte aber, dass der Marktraum und somit auch die Terrasse nur tagsüber geöffnet sind. Sobald die Sonne untergeht und der Markt schließt, wird auch die Halle zugesperrt.

Kritik und was noch kommt

Trotzdem blieb die Markthalle ein Politikum. Kritiker bemängelten die Dimension des Neubaus auf der vormals offenen Fläche und bezeichneten die Architektur vereinzelt als störenden Fremdkörper. Die Stadt Wien rechtfertigt das 27 Millionen Euro teure Gesamtprojekt jedoch mit dem Hinweis auf die Schaffung neuer konsumfreier Zonen und die Verbesserung der Aufenthaltsqualität in einem zunehmend von Hitze betroffenen Stadtgebiet. Die Markthalle ist dabei nur ein Element der umfassenden Umgestaltung: Das unmittelbar angrenzende Areal wurde bereits in den Naschpark verwandelt und bietet mit Grünflächen, Liegewiesen und Wasserelementen eine dringend benötigte Abkühlungs- und Erholungszone. Die finale Phase mit der Neugestaltung des Flohmarkt-Areals ist ab 2027 geplant.

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